Heimatmuseum Reinickendorf

 

Hauptausstellung

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Hauptausstellung im Museum Reinickendorf

HEIM_SPIEL Reinickendorf

22.02.2016 bis 29.05.2016

Sarah Straßmann, o.T. , 2011

»Heim_Spiel« ist eine 2012 vom Frauenmuseum Berlin entwickelte Ausstellungsreihe, die in Berlin lebenden und professionell arbeitenden Künstlerinnen Gelegenheit zur Präsentation gibt. Zugelassen sind jeweils nur Bewerberinnen, die in dem Bezirk leben oder arbeiten, in dem die Ausstellung stattfindet – in diesem Fall Reinickendorf. In den letzten Jahren waren es Tempelhof-Schöneberg (2012), Spandau (2013), Mitte (2014) und Charlottenburg-Wilmersdorf (2015).

»Unsere Seele ist eine Wohnung, und wenn wir uns an Häuser und Zimmer erinnern, lernen wir damit in uns selbst zu wohnen. (…) Die Bilder des Hauses bewegen sich in zwei Richtungen. Sie sind in uns, ebenso wie wir in ihnen sind.«  (Gaston Bachelard, Poetik des Raumes)

Dieses Zitat des französischen Philosophen Bachelard zeigt sehr schön, dass der thematische Rahmen Heim_Spiel einerseits einen persönlichen Zugang erlaubt oder sogar erfordert, gleichzeitig aber auch zu kritischer Distanznahme einlädt. Entsprechend vielfältig sind auch die Interpretationen der 10 Künstlerinnen, die eine 4-köpfige Jury aus 50 Bewerbungen auswählen konnte. Carola Dinges’ aus Linien gebaute, abstrakte zweidimensionale »Räume« etwa sind eher zugig und kalt. Sie laden nicht zum gemütlichen Verweilen, sondern zum analytischen Hinsehen ein. Gudrun Fischer-Bomerts aus Trinkhalmen und LED-Leuchten bestehende Installation Fata Morgana hat aus der Ferne deutlich die Form eines Hauses – dessen Konturen sich beim Näherkommen auflösen. Sie bezieht sich damit auf den im Zusammenhang mit den Flüchtlingsbewegungen aktuell thematisierten Begriff von »Heimat«, der nicht nur konkreter Ort als vielmehr das Gefühl zeitweiser Geborgenheit sein kann. Für Andrea Hartinger ist das »Heim« auch ein geschützter Inspirationsort. Immer vorhanden als Gegenpol ist jedoch die Existenz des Un-heim-lichen im Inneren sowie als Bedrohung von Außen. Häufig verwendet die Künstlerin Materialien wie Stoffe, Teppiche und Möbelstücke für ihre Installationen: Sie nimmt diese aus dem Wohnkontext heraus und bringt sie in neue Zusammenhänge. Beate Hoffmeister interpretiert »Heimat« in der globalisierten Welt vor allem als Netzwerk sozialer Kontakte – die Kontaktaufnahme per Smartphone zu Freunden und Verwandten scheint uns Halt zu geben, wo immer wir uns befinden. Die Collagen der Künstlerin greifen auf ein Material zurück, das in vordigitalen Zeiten täglich benutzt wurde: das Telefonbuch. Cathy Jardons Zugang ist weniger konkret: die Malerin arbeitet gänzlich abstrakt. Ihre farbintensiven Kompositionen lassen aber vielfältige Assoziationen zu, etwa auch zu den parzellierten Weinlandschaften, die in der Gegend Frankreichs, aus der die Künstlerin stammt, die Landschaft prägen. Jani Pietsch hat für ihre Videoinstallation Ausgesperrt aus Europa die südlichste europäische Landgrenze zu Fuß und mit dem Fahrrad erkundet und heimlich die Grenzanlagen gefilmt. Die Antworten von 33 Berlinerinnen auf ihre Frage, warum sie ihr Zuhause verlassen haben, wurden zur Tonspur auf dem Video, das sich als Plädoyer für ein offenes Europa versteht. Heike Ruschmeyers Blick in ein Familienschlafzimmer ist Abbild eines Horrorszenarios, die Thematik – erweiterter Suizid – zeigt einen tragischen Aspekt dessen, was in einem »Heim« auch geschehen kann: Überforderung, Depression, Aggression – und die Unfähigkeit, seinen Nächsten einen anderen Weg zuzugestehen. Zuzanna Schmukalla, die vor 2 Jahren nach Berlin zog, reflektiert gerade auch aufgrund ihres Umzugs, was das Gefühl des Zuhauseseins ausmacht und findet im Genre des Stilllebens ein Konzentrat von »Heim«. Ihre abstrakten Bilder lassen zwar keine Gegenstände erkennen, sie beziehen sich in Komposition und Farbigkeit aber auf dieses alte Genre, in dem »alles seinen Platz hat«. Sarah Straßmann widmet sich in ihrer Fotoserie von Innenräumen (The Void) der Abbildung des Unsichtbaren. Die auf den ersten Blick vertrauten Sujets, die sich ausnahmslos im häuslichen Kontext verorten lassen, lösen bei näherer Betrachtung ambivalente Gefühle aus. Was anfänglich anheimelnd wirkt, wird kurz darauf als unheimlich empfunden. Für Christiana Wirthwein-Vormbäumen, die häufig umziehen musste, ist Malerei einerseits Mittel, um zu sich zu kommen, andererseits aber auch, um in ihren Bildern Entwurzelung und Sehnsucht zu thematisieren.

Der Eintritt ist frei. 

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Museum Reinickendorf, Abteilung Schule, Bildung und Kultur
Alt-Hermsdorf 35 | 13467 Berlin
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Öffnungszeiten: Mo-Fr 9–17 Uhr | So 9–17 Uhr